„Aber du fühlst es. Du fühlst es schon dein ganzes Leben lang, dass mit der Welt etwas nicht stimmt.“
(The Matrix)
Eigentlich widert mich Politik an. Was von der Masse bewusst als Politik wahrgenommen wird, ist kalt, undurchsichtig und so langweilig, dass man es gar nicht durchschauen will. Vielleicht auch, weil die Abgründe, die sich dann auftun, keine menschlichen Abgründe sind, die man noch in irgendeiner Form romantisieren könnte.
Professionelle Politik ist ein schmutziges Geschäft, doch darüber zu lesen macht viel weniger Spaß als über Zuhälter, Diebe, Bettler und Prostituierte zu lesen.
Ehrenamtliche Politik ist eine würdige Alternative für Masochisten, die sich mit Peitsche und Rohrstock nicht anfreunden können. Wem diese Vereinsmeierei auch noch Spaß macht, der ist aber wirklich pervers.
Politik ist einfach das Letzte. Wieso muss ich sie überall sehen? – Manchmal würde ich etwas darum geben, ein halbes Jahr lang nicht mit Politik in Berührung zu kommen. Blind zu sein für alles Politische. Nicht reflexartig einen Zusammenhang herzustellen zwischen Zahnlücken, Obdachlosigkeit, minderwertigen Lebensmitteln, Zynismus, Alkoholismus, Beziehungsunfähigkeit, Selbstmördern und Politik.
Kein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich mir meine Abende nicht bei Gruppen, Parteien und Initiativen um die Ohren haue, die das alles ändern wollen – und auch tatsächlich etwas tun. Wenn sie nicht gerade bei endlosen Sitzungen viel zu viel reden.
Wer politisch aktiv sein will, muss das Talent haben, Langeweile zu ertragen. Zumindest in Deutschland. Ich will nichts mehr mit Politik zu tun haben.
Aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil Politik an jeder Ecke lauert. Wer zu viel weiß, hat eben den Ärger am Hals – und ich denke schon zu lange in politischen Zusammenhängen, um jemals wieder zurück in die Matrix zu können.
Der Koalitionsvertrag ist fertig – und ich ertappe mich beim Aufatmen, als ich lese, dass es erst ab 2011 richtig unangenehm wird, weil vorher noch sechs Landtagswahlen sind. Vorher gibt es also keine „Kopfpauschale“ bei der Krankenversicherung. Weitere schwarz-gelbe Vorhaben wie die geplanten Eingriffe in das Arbeits- und Betriebsverfassungsrecht und die Neuordnung der Kommunalfinanzierung sind zunächst auf Eis gelegt worden, um „Expertenkommissionen“ damit zu beschäftigen.
Ob es gut oder schlecht ist, noch ein bisschen Zeit zu haben, ehe es richtig schlimm wird, kann vielleicht ein Sprichwort beantworten. Es heißt, ein Frosch, den man in einen Topf mit heißem Wasser wirft, hat bessere Überlebenschancen als ein Frosch, der schon im Topf ist, bevor das Wasser langsam erhitzt wird. Letzterer verpasst nämlich den richtigen Zeitpunkt, um aus dem Topf zu springen. Wenn er merkt, dass er das tun sollte, ist er schon zu schwach.
Ich weiß nicht, ob das stimmt und will dieses Experiment keinem Frosch antun. Mit dem Volk aber wird genau das gemacht.


